Wenn die Heads der Festplatte mit der Rampe verschmelzen

Ein interessanter Fall hat letzte Woche unser Labor erreicht. Es handelte sich dabei um eine externe Festplatte, die am Vortag noch problemlos funktionierte, allerdings ließ sich der Datenträger am Folgetag nicht mehr mounten. Aus dem Festplatten-Inneren waren leise, tickende Geräusche zu hören. So weit, so gut – zumindest ist dieses Fehlerbild erst einmal nicht außergewöhnlich.

Beim Öffnen des Datenträgers im hauseigenen Reinraum kamen unsere Techniker nicht aus dem Staunen heraus. Die Heads klebten an der Rampe fest – und zwar deshalb, weil diese geschmolzen und das Plastik mit den Schreib-/Leseköpfen verschmolzen war. Des Weiteren waren auf allen ferromagnetischen Oberflächen Rauchablagerungen zu erkennen, voraussichtlich von dem geschmolzenen Plastik.

Zu allem Erstaunen kam hinzu, dass die Festplattenelektronik noch tadellos funktionierte. Die Köpfe ließen sich ansteuern, wenngleich eine Bewegung aufgrund obigen Sachverhalts nicht möglich war. Wie es zu diesem Fehlerbild kommen konnte, ist unklar. Möglicherweise sind massive Überspannungen dafür verantwortlich, sodass Plastik zu schmelzen begann. Verwunderlich bleibt die Tatsache, dass trotz dieser Überspannung die PCB augenscheinlich keine Fehlfunktionen hatte.

Die Datenrettung verlief in Anbetracht des Fehlerbildes gut. Die Reinigung der Scheiben sowie das Assemblieren des Plattenstacks erforderten maximale Vorsicht. Der Ausleseprozess war sehr zeitaufwendig. Mit aufwendigen Prozessen konnten wir schlussendlich den Datenträger zum ersten Mal initialisieren. Einige Module im Bereich der Service Area waren beschädigt und konnten nicht repariert werden. Aufgrund der Schwere der Oberflächenschäden mussten mehrfach die Heads getauscht werden. Insgesamt wurden für die Datenrettung drei Sets Köpfe eingesetzt.

Die positive Nachricht:

In Summe konnten schlussendlich über 85% der Kundendaten gerettet werden.

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