Virtuell ausgetobt

Inception – ein wunderbarer Film aus dem Jahre 2010 mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle. Man kann sich in eine Traumwelt begeben, innerhalb dieser wiederum eine Traumwelt erschaffen werden kann. Es ist das Prinzip eines Traums in einem Traum. Ob Regisseur Christopher Nolan damit gerechnet hätte, dass sich dieses Prinzip drei Jahre nach der Erstausstrahlung in vielen Unternehmensservern wiederfindet? Vermutlich nicht.

Im Jahr 2010 war Virtualisierung zwar schon ein Thema, aber noch lange nicht so groß geschrieben wie heutzutage. Unsere Ingenieure waren damals in der Regel mit einem ausgefallenen RAID 5 oder RAID 6 konfrontiert, auf welchem sich ein HOST System befand mit mehreren Partitionen. Der Trend hat sich allerdings rasant in eine andere Richtung bewegt.

Heute befinden sich auf einem RAID Verbund nicht selten mehrere LUNs. Innerhalb dieser LUNs wiederum, je nach Architektur und Anwendung, befinden sich mehrere iSCSI Dateien. Darin enthalten sind mehrere virtuelle Server – fast selbstsprechend, dass unterschiedliche Dateisysteme verwendet werden. In einigen Fällen wurden innerhalb der virtuellen Server weitere virtuelle Maschinen installiert, in denen sich dann beispielsweise die relevante Datenbank befand, die aufgrund des Serverausfalls gerettet werden sollte. Es verdeutlicht: das Anforderungsprofil eines Datenretters ist heutzutage deutlich komplexer.

In unseren Laboren gehen teilweise Storage Systeme zur Datenrettung ein, die in Ihrer virtuellen Verschachtelung Ihresgleichen suchen. Es erinnert an ein kleines Kind, welches gerade seinen Malkasten für sich entdeckt hat. Bunt werden die verschiedenen Tuschfarben auf das Papier aufgetragen, mit dem Filzer werden dekorative Elemente hinzugefügt und mit dem Wachsmaler das Kunstwerk komplettiert.

Die erwähnten Systeme haben mitunter eine gewisse Ähnlichkeit. Die Virtualisierung geht teilweise bis in die vierte Ebene tief – natürlich querbeet durch alle Dateisysteme. Frei nach dem Motto: „Ich präsentiere mein Wissen“ wird sich ausgiebig ausgetobt. Ob es das war, was Herbert Grönemeyer meinte, als er seinen Song „Männer“ schrieb und die Massen in den Konzertsälen schrien: „wann ist der Mann ein Mann“?

Als Datenretter steht man vor der Herausforderung, zeitnah solche Systeme zu rekonstruieren. Je nach Schadensbild kann sich dies sehr aufwendig gestalten. Denn nur weil  beispielsweise das HOST  Dateisystem heil ist, bedeutet es noch lange nicht, dass das Dateisystem der virtuellen Maschine keine Beschädigungen aufweist. So muss unter Umständen jede virtuelle Maschine analysiert werden, und im Anschluss jede darunterliegende Ebenen.

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