Chiptausch bei einer Festplatte

Platinentausch bei Festplatten

Defekte Festplattenelektronik

Elektronische Geräte versagen ihren Dienst tagtäglich hundertfach in den unterschiedlichsten Bereichen. So auch Festplatten. Neben dem klassischen Sturz des Datenträgers und den bekannten, daraus resultierenden Folgeschäden, zählt der Ausfall der elektronischen Komponenten (PCB, Printed Circuit Board) eines Datenträgers unserer Erfahrung nach mit zu den am häufigsten auftretenden Ursachen für Datenverlust.

Der kausale Zusammenhang zwischen einer defekten Festplattenelektronik und einer tatsächlichen Überspannung ist nicht immer gegeben. Unterschiedlichste Faktoren können ursächlich für das unvorhersehbare Versagen der Elektronik sein, weshalb ein Backup in jedem Fall unumgänglich ist.

Das alte Lied vom Elektroniktausch

Doch selbst wenn dieses Problem früher auftrat, so waren die Daten auch ohne ein vorhandenes Backup nicht zwangsweise verloren. In der Regel war es ausreichend, sich ein baugleiches Modell des defekten Speichermediums zu beschaffen und die Platine durch einfaches Abschrauben mit dem Gegenstück auszuwechseln. Im besten Fall nahm der Datenträger seine bisherige Funktion wieder auf, vorausgesetzt, dass keine weiteren Schäden außer der defekten Elektronik vorlagen.

Dennoch hält sich der Glaube vom einfachen Platinentausch auch heute noch hartnäckig. Immer wieder hören wir von unseren Kunden, dass versucht wurde den Datenträger durch den Austausch der Platine wieder initialisieren zu können – In vielen Fällen sogar bei Datenträgern, deren Elektronik bei der Diagnose im Labor keinerlei Schäden oder Fehlfunktionen aufweist. Es ist das Allheilmittel im World Wide Web. Funktioniert die Festplatte nicht mehr, dann muss man die Platine tauschen.

In manchen Fällen kann dies sogar noch immer funktionieren. Speziell bei älteren Datenträgermodellen kann der Platinentausch den Zugriff wieder ermöglichen, sofern diese Arbeiten von jemandem mit fachmännischen Kenntnissen vorgenommen werden.

Baugleich ist nicht gleich Baugleich

Die baugleiche Platine; Der heilige Gral zur preisgünstigen und aufwandslosen Datenrettung. Regelmäßig erreichen uns Anrufe und Emails, in denen wir um den Verkauf entsprechender Bauteile aus unserem umfangreichen Ersatzteillager, mit einer ganz bestimmten Modellnummer, gebeten werden. Idente Platinen sind rar hat es den Anschein. Rarer als man glauben möchte. Denn heutzutage hat das Wort „Baugleich“ bei Festplatten nicht mehr jene Bedeutung, die es noch vor Jahren inne hatte.

Innere Werte

Man nehme ein bestimmtes Festplattenmodell eines beliebigen Herstellers und zwei Datenträger mit identischer Modellbezeichnung und einem dicht beieinander liegenden Produktionsdatum. Die Wahrscheinlichkeit, dass der jeweilige Datenträger mit der Platine des zum Einsatz kommenden Gegenstücks nicht wunschgemäß funktioniert, dürfte annährend 100 % betragen. Aber wieso,  wenn die Modellnummer doch hundertprozentig übereinstimmt?

Wie alle Hersteller rund um den Globus versuchen selbstredend auch die Hersteller von Festplatten die Leistungsfähigkeit ihrer Produkte kontinuierlich zu optimieren. Viele dieser Veränderungen finden oftmals mitten in der laufenden Produktion statt und sorgen somit für eklatante Unterschiede innerhalb einer Charge, die für einen Laien nicht zu erkennen sind. So können ein Datenträger aus der Produktion vom April 2014 und Mai 2014 trotz identischer Modellnummer in punkto Steuerungsplatine und Firmware vollkommen verschieden sein.

Des Weiteren spielen die adaptiven Parameter eines jeden Datenträgers eine wichtige Rolle. Die adaptiven Parameter sind Werte, die pro einzelnem Individuum in der Firmware festgehalten werden und unter anderem die Korrekturparameter der Schreib-/Leseköpfe beinhalten. Die Firmware selbst wird in der Regel anteilig in den Chips auf der Platine und auf den Magnetscheiben selbst gespeichert.

Kommt eine Platine ohne entsprechende adaptive Parameter zum Einsatz, wird der Datenträger im besten Falle nichts tun und die Schreib-/Leseköpfe nicht aus der Parkposition fahren. Im schlimmsten Fall könnte das typische melodische Klicken zu hören sein, wodurch unter Umständen Folgeschäden entstehen könnten. Dementsprechend ist heutzutage ein Platinentausch in der Regel nicht ohne eine umständliche Manipulation der elektronischen Bauteile und der Firmware möglich.

Professionelle Datenretter haben spezielle Verfahren entwickelt, um über nicht dokumentierte Befehle (geheime „vendor commands“) die Firmware so zu manipulieren, dass ein Zugriff auf die Rohdaten noch möglich ist.

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